Donnerstag, 29. September 2011
Reisen
Reisen
Viele von uns jungen Leuten träumen davon, einfach weg zu fliegen. Nach der Schule, nach der Ausbildung, egal. Hauptsache weg. Bei der Frage wie man das den alles durchführen und bezahlen will, scheiden sich die Geister. Die einen bauen darauf dass Mama und Papa, gegeben falls noch Opa oder Oma, die Sache managen werden. Inklusive Bezahlung, versteht sich.
Andere sind der Meinung, dass so eine Reise ein Zeichen von Freiheit und Selbstbestimmung ist, und sie deshalb während des Abenteuers arbeiten wollen, wobei man das in bestimmten Ländern eh machen muss um ein Visum zu bekommen aber das nur nebenbei, und natürlich davor schon viel gespart haben.
Und die dritte Fraktion? Die schauen sich die Organisation und Kosten an und geben dann meist sofort auf.
Ich persönlich zähle mich zur zweiten Gruppe.
Aber basteln wir uns doch mal ein Beispiel.
Jana ist seit kurzem mit der Schule fertig und wird, nachdem sie ihre Eltern nun endlich so weit hat es zu erlauben, in wenigen Tagen nach Australien fliegen. Sie hat das Abitur in der Tasche, ist dementsprechend 18 Jahre alt, und hat alle Geburtstags- und Weihnachtsgelder der letzten Jahre gespart, um sich diesen Traum zu verwirklichen.
Praktischerweise hat sie noch zwei kleine Geschwister, das heißt sie muss sich nicht darum kümmern wo ihre Möbel untergebracht sind. Die beiden kleinen freuen sich schon wie wild das jetzt jeder sein eigenes Zimmer bekommt, und die mittlere, Diana, ganz besonders, da sie das Zimmer der älteren Schwester schon immer toll fand.
Alles schön, also wieder zurück zu Jana:
Es sind nur noch knappe 12 Stunden bis zum Abflug und Jana geht mittlerweile vor Nervosität die Wände hoch. Immer wieder zählt sie ihr Geld, überprüft die wichtigsten Telefonnummern und Adressen und betet das ihr Auto, sie taufte es Carmen, dieses Jahr auch durchhält.
Wenige Stunden später ist es soweit, Jana macht sich, mit ihrer Familie an den Fersen, auf den Weg zum Flughafen. Um Carmen wird sich gekümmert und die abenteuerlustige Abiturientin… wirft sie erste Beruhigungstablette ein.
Ein tränen reicher Abschied folgt, schließlich sehen sich alle erst in einem Jahr wieder, und dann, dann ist es soweit: Jana steigt ins Flugzeug!
Endlich geht es los! Die vielen Stunden der Reise verschläft sie und auch den Zwischenstopp in Singapur findet sie weniger spannend.
Doch dann, endlich, ist sie da. Australien hat ihr seine Pforten geöffnet und lässt sie unter Fanfaren eintreten… So jedenfalls in ihrer Fantasie. Das sie, in der Realität, von schimpfenden und schwitzenden Menschen umgeben ist und bereits in mehreren verschiedenen Sprachen Beleidigt wurde, bekommt sie nicht mit. Aber warum auch? Sie ist am Ziel angekommen!
Einige Zeit später hat sie auch ihr Hostel gefunden und geht auf Entdeckungstour. Carmen wird sie erst morgen abholen können, also muss sie wohl oder übel zu Fuß los.
Am Abend, sie sitzt auf ihrem quietschenden Bett und geht ihre Reiseroute durch, passiert es:
Plötzlich fühlt sie sich ein bisschen einsam.

Das zu unserer zweiten Fraktion, nennen wir sie die Pioniere der neuen Generation also kurz: PDNG.
Doch wie mies wird sich jemand fühlen der sich nicht die Mühe machte für seine Reise zu sparen, Kompromisse einzugehen und einfach nur, auch über längere Zeit, dieses Ziel zu verfolgen?
Wenn man die Möglichkeit hat sich all das bezahlen zu lassen, will man es dann genauso sehr wie ein PDNG?

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